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Weltwirtschaftskrise und Eurodesaster
Über die inneren Widersprüche des Euro und den Irrwitz der europäischen Sparpolitik
Mit: Ernst Lohoff

Warum steckt der Euro in der Krise? Sind die «faulen Griechen» schuld oder die Gier der Spekulanten? Die Ursachen reichen wesentlich tiefer. Mit dem Euro wurden getrennte Währungsgebiete zusammengeschlossen, ohne einen einheitlichen wirtschaftspolitischen Funktionsraum mit einheitlichem Produktivitätsniveau zu schaffen. Eine solche Währungsunion kann auf längere Sicht nur dazu führen, dass im Produktivitätswettlauf strukturell benachteiligte Länder wie Griechenland oder Portugal auf den Gütermärkten von Deutschland oder den Niederlanden niederkonkurriert werden.

Trotzdem war die Einführung des Euro weder eine politische Fehlentscheidung noch ein Projekt der überlegenen Länder, um ihre Wettbewerbsposition auf Kosten der Nachbarn zu stärken. Der Euro ist vielmehr ein genuines Kind der Epoche des «fiktiven Kapitals». Seine vermeintlichen Geburtsfehler waren nichts anderes als Anpassungen an die verrückten Bewegungsgesetze eines Kapitalismus, in dem die Anhäufung fiktiven Kapitals zum eigentlichen Motor der Wirtschaft geworden ist. In dem Maß wie diese auf dem Vorgriff auf künftige Wertproduktion beruhende Produktionsweise an ihre Grenzen stößt, zerbricht aber auch die europäische Gemeinschaftswährung an ihren inneren Widersprüchen.

Die brutale Sparpolitik im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich, die vor allem Südeuropa verwüstet, ist kein Ausweg, sondern Teil des Problems.

Der gesellschaftliche Reichtum Griechenlands, Spaniens und Portugals, wird der vagen Hoffnung geopfert, den Finanzmärkten gegenüber Kreditwürdigkeit zu simulieren.

Die Regierungen und die sogenannten Wirtschaftsexperten schwadronieren davon, dass man über seine Verhältnisse gelebt hätte. Nichts ist zynischer und zugleich dümmer als diese Vorstellung. Die Weltgesellschaft hat ein ganz anderes Problem. Sie ist zu produktiv, um ihre Reichtumsproduktion noch dem armseligen Zweck der Kapitalverwertung für den Kapitalismus.

Ob Wohnungen gebaut, Krankenhäuser betrieben, Nahrungsmittel produziert oder Bahnlinien unterhalten werden, darf nicht davon abhängen, ob die nötige Kaufkraft vorhanden ist. Kriterium dafür kann einzig und allein die Befriedigung konkreter Bedürfnisse sein. Es gilt, bereits die Frage nach der «Finanzierbarkeit» offensiv abzuweisen.

Ernst Lohoff, geb. 1960, lebt in Nürnberg. Er studierte Soziologie, gehört zu den Gründervätern der Theoriezeitschrift Krisis und ist freier Publizist. Zusammen mit Norbert Trenkle veröffentlichte er 2012 das Buch «Die große Entwertung- Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind».

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Email: schlager@rosalux.de

Veranstaltung in Kooperation mit dem hochschulpolitischen Rat der Studierendenvertretung der Universität Konstanz, SeeMoz und ver.di Schwarzwald-Bodensee

Foto: Aleks van Sputto, flickr / CC BY-SA 2.0

 

Zeitraum

30.01.2013, 19:00 Uhr - 30.01.2013, 21:00 Uhr

Adresse

Universität Konstanz, Raum A 703
Universitätsstraße 10
78464
Konstanz
Deutschland

Eingetragen von

Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg

Aktionsform

Vortrag

Themenkategorien

Ökonomie / Finanzen

Website

http://www.bw.rosalux.de/event/47524

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