Kofler

Mit Dr. Christoph Jünke

Der deutsch-österreichische Gesellschaftstheoretiker und Sozialphilosoph Leo Kofler (1907-1995) war ein herausragender Vertreter des deutschen Nachkriegsmarxismus, gelobt und geehrt nicht zuletzt von seinem Kollegen Ernst Bloch, der Kofler in eine Reihe zu Georg Lukács stellt. Mit Koflers Versuch, die marxistische Theorie den Erfahrungen des 20.Jahrhunderts entsprechend weiterzuentwickeln und die sozialistische Bewegung auf die Höhe der neokapitalistischen Zeit zu heben, machte sich der an Max Adler und Georg Lukács geschulte „heimatlose Linke" seit den 1950er Jahren zu einem wichtigen Vermittler von alter Arbeiterbewegung und Neuer Linker, bevor er Anfang 1991 schwer erkrankte und 1995 in seiner Wahlheimat Köln starb. Der Autor und Kofler-Biograf Christoph Jünke nähert sich in seinem Vortrag der anhaltenden Aktualität dieses sozialistischen Humanisten, verdeutlicht die Konturen seiner Philosophie der Praxis und spannt dabei einen Bogen von der sozialistischen Klassik bis zum Postmodernismus.

Bloch und marxistische Dialektik

«Dialektisches Denken ist mehr als Sich-Vergewissern von dem, was auch ohne es ist. Denn es weiß sich stets als Moment dessen, was es begreift. Es kann daher gerade für den dialektischen Materialismus keine einseitige Ableitung des Bewusstseins aus dem ökonomischen Sein geben, dergestalt, dass dieses als schlechthinnige causa sui alles andere determinierte. Vielmehr macht es das Wesen der menschlichen Verhältnisse aus, eben die Verhältnisse von handelnden, mit Bewusstsein begabten und ihre Zwecke verfolgenden Menschen zu sein. Marxismus ist somit der von einer rein kontemplativen Beziehung des Denkens zum Sein weit entfernte Versuch einer historischen Selbsterkenntnis des produktiven Subjekt-Objekts der Gesellschaft. Dies gilt in besonderem Maße für das Denken Leo Koflers, das wie schon Lukács' Geschichte und Klassenbewusstsein der Wiederbelebung einer marxistischen Dialektik gewidmet ist.» (Ernst Bloch, 1977).

Christoph Jünke arbeitet als Historiker an der Fern-Universität Hagen. Er ist Vorsitzender der Leo Kofler-Gesellschaft (www.leo-kofler.de) und Autor sowie Herausgeber mehrerer Schriften von und über Leo Kofler. Zuletzt erschien im Hamburger Laika-Verlag: «Leo Koflers Philosophie der Praxis. Eine Einführung»

Bild: © Laika Verlag

 

Zeitraum

19.10.2015, 20:00 Uhr - 19.10.2015, 22:00 Uhr

Adresse

Neue Aula, HS 5
Geschwister-Scholl-Platz
72074
Tübingen
Deutschland

Eingetragen von

Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg

Aktionsform

Vortrag

Themenkategorien

Politik / Demokratie / Recht

Website

http://www.bw.rosalux.de/event/54059

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