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Erfreulicherweise regt sich mittlerweile an vielen Stellen Widerstand gegen die fortschreitende Militarisierung der deutschen Außenpolitik (und der Verhältnisse im Inneren). Es ist aber auffällig, dass diese Proteste trotz einer mehrheitlich kritisch-pazifistischen Grundstimmung in der Bevölkerung (noch) nicht die Breite und Stärke erreicht haben, die notwendig wäre, um sie auch zu stoppen. Dies wirft Fragen auf, mit denen wir uns auf dem diesjährigen IMI-Kongress beschäftigen wollen. Zuvorderst natürlich die, wie es der Regierung und dem Militär gelingt, die notwendige Zustimmung gegenüber der deutschen Kriegspolitik zu erzeugen oder zumindest die Passivität in der Bevölkerung gegenüber Fragen von Krieg und Frieden zu erhalten.

An diesem «Krieg um die Köpfe» sind Akteure einer sichtbarer werdenden «strategische Gemeinschaft" beteiligt, deren Fehlen von herrschender Seite lange Zeit moniert wurde. Schon an den Universitäten werden Multiplikatoren und zukünftige Entscheider_innen umworben und bei konformer Haltung systematisch gefördert. Es werden gezielt Verbindungen mit Lehrpersonal, Journalist_innen und Prominenten gesucht, um sie in die «sicherheitspolitische Debatte» einzubinden und das von ihnen an die Öffentlichkeit vermittelte Bild von Krieg und seiner angeblichen Notwendigkeit zu beeinflussen. Während eine vermeintlich kontroverse Debatte um die deutsche Außenpolitik bei jeder Gelegenheit eingefordert und vermeintliche Tabubrüche («Deutschland führt Krieg», «unser Wohlstand muss militärisch abgesichert werden») bewusst inszeniert werden, werden zugleich antimilitaristische Positionen isoliert, kriminalisiert sowie als «verfassungsfeindlich» bekämpft; pazifistische Haltungen als «verantwortungslos» diffamiert.

Die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr bezieht sich zunehmend auf Werte wie Patriotismus, Tapferkeit und Ehre («Wir.Dienen.Deutschland») und zielt darauf ab, das Militär als positiven Teil dieser Gesellschaft darzustellen. Um den «Kampf um die Herze und Köpfe»im Inland zu führen, wird die Bevölkerung in Unterstützer_innen, Unentschlossene und Gegner_innen unterteilt; Hilfsmaßnahmen («Fluthilfe») der Bundeswehr werden medial inszeniert und genauso zur Imagepflege eingesetzt, wie mit Schulen, Kindergärten, Behinderteneinrichtungen, Krankenhäusern etc. zu diesem Zweck kooperiert wird.

Militärische Motive und die Ausübung von «Verantwortung»durch das Militär diffundieren in den Alltag in Deutschland, werden zu einer nicht weiter zu diskutierenden «Normalität». Dies ändert zwar bislang wenig an der grundsätzlich überwiegenden Ablehnung von Auslands- und Kampfeinsätzen, macht aber zugleich offenen Protest und Dissens seltener und schwieriger. Auf dem Kongress wollen wir deshalb die Strategien zur Demobilisierung von Protest untersuchen und Gegenstrategien diskutieren.

Auftaktveranstaltung:
Freitag, 15. November 20:00 Uhr (in der Hausbar der Schellingsstr. 6)
The Front-Show: Stars und Sternchen für den Krieg
(Mit Vokü (ab 19:00 Uhr) und anschließender Kneipe)

Samstag (Tübingen, Schlatterhaus, Osterbergstr. 2)

12:00 - 12:10: Begrüßung

12:10 - 12:30: Einführung: Die Drohnendebatte und der Krieg um die Köpfe

12:30 - 13:45: Die mediale Konstruktion von Bedrohung und die Normalisierung von Krieg (Claudia Haydt)

14:00 - 15:15: Alles ist Front: Die Militarisierung von Forschung und Wissenschaft (Frank Reichherzer)

15:45 - 17:00: Rüstungs- und «Sicherheitsindustrie»: Rechtfertigungsstrategien einer «bedrohten» Branche (Malte Lühmann)

17:15 - 19:00: Podium: Banale Militarisierung: Ehrenmäler und Orden, Kindertagesstätten und Schulbücher (Thomas Mickan, Jonna Schürkes und Frank Brendle)

19:30 - 21:00: Workshops

Schulterschluss zwischen Militär und Gewerkschaften?
Bundeswehr an Schulen
Militarisierung der Hochschulen
Feministische Drohnenkritik

Sonntag (Tübingen, Schlatterhaus, Osterbergstr. 2)

09:30 - 11:00: Das Kommando Territoriale Aufgaben: Einsatz und Desinformation an der «Heimatfront» (Martin Kirsch)

11:15 - 12:45: Polizei und Geheimdienste als Linienrichter der sicherheitspolitischen Debatte (Heiner Busch und N.N.)

13:00 -14:30: Das neue Bild vom Krieg: Schwierigkeiten und Perspektiven der antimilitaristischen Bewegung (Johannes Becker und Tobias Pflüger)

Organisatorisches

Für Verpflegung zwischen den Pausen wird gesorgt. Auf Wunsch versuchen wir private Übernachtungsmöglichkeiten zu organisieren (Anmeldung und Schlafsack erforderlich). Übernachtungsmöglichkeiten in Tübingen finden sich u.a. unter http://tuebingen-info.de/uebernachten.html

Eine Kongressgebühr wird nicht erhoben, über Spenden zur Finanzierung des Kongresses freuen wir uns natürlich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme an einzelnen Vorträgen und Veranstaltungen ist selbstverständlich möglich.

Anfahrt mit dem Zug: Über Stuttgart oder Horb. In Tübingen zu Fuß vom Bahnhof über die Neckarbrücke geradeaus die Mühlstrasse hinauf bis zur KSK/Deutschen Bank, dort scharf rechts (ca. 10 Minuten).

Anfahrt mit dem Auto: Über die B 27 (Stuttgart bzw. Hechingen) oder die B 28 (Reutlingen bzw. A 81). In Tübingen dann am Besten in einem der Parkhäuser in der Innenstadt (sind ausgeschildert) oder etwas außerhalb der Innenstadt parken.

Wer weitere Informationen zum Kongress haben möchte, kann sich gerne im IMI-Büro melden: 07071-49154 oder imi@imi-online.de

Zeitraum

16.11.2013, 12:00 Uhr - 17.11.2013, 14:30 Uhr

Adresse

Schlatterhaus
Österbergstr. 2
72074
Tübingen
Deutschland

Eingetragen von

Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg

Aktionsform

Kongress

Themenkategorien

Frieden / Antimilitarismus

Website

http://www.bawue.rosalux.de/event/49307/imi-kongress-2013.html

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