Zehnter mai

Die Zukunft der Erinnerung: 80 Jahre Bücherverbrennung. Stadtlesung im Rathaus Stuttgart im Rahmen der dortigen Ausstellung «Verbrannte Bücher - Von den Nazis verfemte Autoren»

Hans Sahl, Schriftsteller, Kulturjournalist in der Weimarer Republik, Antifaschist und Antistalinist, musste 1993 aus Deutschland fliehen. Über Prag und Zürich gelangte er nach Paris, wo er gefangen genommen und in Südfrankreich im Lager Le Ruchard interniert wird. Es gelingt ihm die Flucht nach Marseille und - dank Varian Frys Rettungskomitee («Emergency Rescue Committee») - über Lissabon in die Vereinigten Staaten. Hans Sahl verarbeitet diese Erfahrungen später in seinem autobiographischen Roman «Die Wenigen und die Vielen» (1959) und setzt damit Varian Fry und seinem Hilfskomitee zugleich ein literarisches Denkmal.

Durch seinen Antistalinismus erlebt er auch in der Emigranten-Community eine Isolierung, das er als »Exil im Exil» empfindet, wie er den zweiten Teil seiner Erinnerungen überschreibt. Sein Versuch der persönlichen und literarischen Heimischwerdung im Deutschland der 50er Jahre misslingt. Hans Sahl verlässt 1957 Deutschland daraufhin zum zweiten Mal und geht wieder in die USA.

Erst im Alter von 87 Jahren kehr er nach Deutschland zurück und lässt sich in Tübingen nieder. Seinen Antifaschismus lebte er noch im hohen Alter und beteiligte sich Anfang der 90er Jahre an Aktionen gegen die ausländerfeindlichen Pogrome in Deutschland: «Sahl rief uns vor dem Start der «Dichterlesungen in Asylbewerberheimen» an, mit denen wir 1992 gegen die Brandanschläge protestieren und die unbeteiligten, desinteressierten Bürger in die Heime holen wollten. Er sei sterbenskrank und wisse nicht, wie lange er noch zu leben habe. Deshalb wolle er unbedingt bei dieser <besten Aktion, von der ich seit langem in Deutschland gehört habe> mitmachen, <ehe es zu spät ist>.»

Der Reutlinger Autor, Historiker und Verleger Hellmut G. Haasis, dessen Bücher in bis zu acht Sprachen übersetzt wurden, liest aus den beiden Büchern «Die Wenigen und die Vielen. Roman einer Zeit» und «Memoiren eines Moralisten» von Hans Sahl und stellt den Autor sowie dessen Werk und Biographie dar. Hellmut Haasis hat mit seinen biographischen Arbeiten «Joseph Süß Oppenheimer genannt Jud Süß. Finanzier, Freidenker, Justizopfer», «Totengedenkbuch für Joseph Süß Oppenheimer» und «Georg Elser: Ein schwäbischer Kriegsgegner» bedeutende Beiträge zur historischen Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus und Antisemitismus geleistet.
Kontakt

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Telefon: 0711 99797090
Fax: 0711 99797091
Email: schlager@rosalux.de

Veranstaltung im Rahmen der «Aktion 10. Mai: 80 Jahre Bücherverbrennung»

 

Zeitraum

21.05.2013, 18:00 Uhr - 21.05.2013, 19:30 Uhr

Adresse

Rathaus
Marktplatz
Stuttgart
Deutschland

Eingetragen von

Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg

Aktionsform

Lesung

Themenkategorien

Antifaschismus
Medien / Digitales

Website

https://www.facebook.com/events/120239958160304/

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