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Guernica oder der Beginn des Zweiten Weltkriegs
Über die Lüge in Zeiten des Krieges
Mit Dr. Hannes Heer

In der Geschichtsschreibung über die Zerstörung Guernicas am 26. April 1937 dominieren immer noch die Legenden. Nachdem mit Francos Tod die Lüge von der Zerstörung der Stadt durch die Republikaner erledigt war, behaupten einflussreiche Neofranquisten die Alleinschuld der Legion Condor. Deren entscheidende Rolle wird von den heutigen deutschen Luftkriegshistorikern nicht geleugnet. Aber sie bestreiten den terroristischen Charakter des Bombardements und wiederholen die Lüge der Legion, dass der Angriff das militärische Ziel - eine Straßenbrücke in einem Vorort von Guernica - verfehlt habe und die Bomben wegen einer Winddrift und Nebel irrtümlich auf das Stadtzentrum gefallen seien. In Italien wird die eigene Beteiligung an dem Angriff komplett geleugnet: Das Zerrbild vom angeblich «milden Faschismus» Mussolinis wirkt immer noch.

Aufgrund bisher unbekannter Dokumente aus dem Stab der Legion Condor, der Aussagen italienischer Piloten und baskischer Augenzeugen gelingt es Hannes Heer erstmals, den exakten Ablauf des Bombardements und vor allem dessen strategischen Ziele zu rekonstruieren. Dabei ging es um einen Test der deutschen Flugzeugtypen und Bomben, um die durch den Schrecken von Guernica erhoffte kampflose Übergabe der baskischen Hauptstadt Bilbao und um die Erprobung der Strategie des totalen, völkerrechtswidrigen Luftkriegs in dem geplanten europäischen Krieg. Was die neue deutsche Luftwaffe 1936 bis 1939 in Spanien ausprobiert hatte, wurde 1939 in Warschau, 1940 in Rotterdam, 1941 in Belgrad und beim Überfall auf die Großstädte der Sowjetunion umgesetzt. Die deutschen Luftkriegshistoriker leugnen bis heute auch diese Verbrechen: Es habe sich um bedauerliche «Irrtümer» gehandelt - wie in Guernica 1937.

Hannes Heer ist Historiker und ehemaliger Leiter der Ausstellung «Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944». Er wurde 1997 mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet; aktuelles Ausstellungsprojekt: «Die Bayreuther Festspiele und die Juden 1876 bis 1945».

Kontakt

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Fax: 0711 99797091
Email: schlager@rosalux.de

Veranstaltung in Kooperation mit Buch und Plakat - Antiquariat, VHS Stuttgart, VVN-BdA Baden-Württemberg

Zeitraum

18.04.2012, 19:00 Uhr - 18.04.2012, 21:00 Uhr

Adresse

VHS / TREFFPUNKT Rotebühlplatz
Rotebühlplatz 28
70173
Stuttgart
Deutschland

Eingetragen von

Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg

Aktionsform

Vortrag

Themenkategorien

Antifaschismus

Website

http://www.bw.rosalux.de/event/45387

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